Arbeiten und studieren mit einem Netbook. Ein Erfahrungsbericht

Seit nunmehr fast einem halben Jahr bin ich Besitzer eines Netbooks, dass mir - hierbei vor allem meinem Rücken - dankenswerter Weise einiges an Last genommen hat. Ich versuche hier nun einen kleinen Erfahrungsbericht von Kompabilität von Studium und Netbook bzw. Ultra Lowcost PC zu geben.

Spätestens seit der Verbauung von mechanischen Festplatten lassen einem die meisten ULPC-Hersteller ohnehin mehr keine Wahl zwischen einem Linux ULPC und einem kleinen Windows-Boliden. Deshalb handelt mein Erfahrungsbericht NUR von meiner Arbeit mit einem Windows XP EEEPC 1000H und dem zu Windows XP passenden Softwareangebot.

Ich studiere nun mittlerweile seit 5 Semestern Geschichte an der Universität Wien und seit knapp zwei Semestern Geschichte und Deutsch als Lehramtsfächer. Bis vor einem halben Jahr arbeitete ich mit einem Mittelklasse Consumer-Notebook von HP, ausgestattet mit Intel Core 2 Duo und Windows Vista Home Premium, welches mir und meiner Schwester bis heute noch gute Dienste leistet - aber für einen Uni-Halb- oder Ganztages-Betrieb nicht geeignet ist und war. Abgesehen von seinem Gewicht war die maximale Akku-Betriebszeit indiskutabel kurz bei knapp über 2 Stunden im Stromsparmodus. Da auf dem Gelände der Uni zudem die frei zugänglichen Steckdosen rar gesät sind, war es nur naheliegend ein Gerät mit längerer Betriebszeit zu kaufen. Dadurch dass man beim Kauf eines ULPC schwächere Hardware und im Falle des EEEPC 1000H eine Windows XP Home-OEM Lizenz in Kauf nimmt, sinkt dazu noch der Preis im Vergleich zu einem Subnotebook erheblich. Allerdings fängt man mit einem Note-/Netbook ohne anständiger Office-Suite relativ wenig an, sollte man doch laufend Powerpoint-Präsentationen erstellen und betrachten (etwa für Gruppenarbeiten), Kursarbeiten bearbeiten und Mitschriften schreiben können. Da reichen Wordpad oder Editor nicht aus. Asus hat dem EEEPC 1000H dankenswerter weise die StarOffice-Suite spendiert, womit man theoretisch Out-of-the-Box los arbeiten könnte. Da ich aber nicht in Kauf nehmen wollte laufend Dateien, die mir mit MS Office 2007 arbeitende Kollegen schicken, neu formatieren zu müssen, wurde neben der an sich guten Office-Suite von Sun der aktuellste Microsoft Ableger installiert. Rückblickend betrachtet war das eine gute Entscheidung. Die Lade- und Öffnungszeiten beider Programm-Suiten liegen in etwa gleich auf, auch wenn mir StarOffice tendenziell behäbiger vorkommt, allerdings verfügt Office 2007 über einen Workflow, der - einmal daran gewöhnt - schnelleres Arbeiten zulässt, als der Konkurrent von Sun. Ich habe mit beiden Suiten gearbeitet - mit StarOffice historisch gesehen sogar länger als mit MS Office, aber in Puncto Workflow ist meiner Meinung nach die Microsoft-Lösung tatsächlich überlegen.

Bei den Netbooks stehen aber bekanntlich die Webanwendungen an oberster Stelle, also verliere ich auch hierzu ein paar Worte.
Im Auslieferungszustand kam der EEEPC leider mit dem behäbigen und unsicheren 6er Internet Explorer daher, der fixer Bestandteil einer Windows XP-Lizenz ist. Warum Asus nicht von Haus aus den flotteren und schickeren 7er-Ableger installiert haben - der zum Herstellungszeitpunkt der 1000H-Serie bereits länger erhältlich war, wo sie auch sonst Software-Anpassungen (Windows Live-Applications vorinstalliert, Asus Hybrid-Engine, StarOffice 8 Asus Edition, etc.) vorgenommen haben, ist mir schleierhaft. Allerdings wird der Internet Explorer erst in der aktuellen 8er Version am EEEPC wirklich verwendbar. Davor ist er nur Sprungbrett zu anderen Browsern. In der 8er Version allerdings ist ein angenehmer Surfbetrieb schon fast möglich, nur manchmal fressen die einzelnen Tabs zu viel Leistung, wodurch man spürbare "Ladehemmungen" erleben darf.

An anderen Browsern habe ich folgende verwendet und/oder noch immer in Verwendung:
- Mozilla Firefox 3.x
Das wahrscheinlich bekannteste Konkurrenzprodukt zum MS-Browser. War jedoch bis zur aktuellen 3.0.11 Version am EEEPC eine ermüdende Angelegenheit, wenn man schnell tippen kann und gerne mit mehreren Tabs arbeitet. In der 3.0.11er Version ist dahingegen schon wieder ein angenehmes Tempo gewährleistet.
- Opera 9.5/10
Von Freunden immer wieder empfohlen, mir persönlich zu überladen und träge - Opera 9.5. Angeblich noch eine Spur sicherer und schneller als der Firefox, allerdings ist davon am EEEPC selten etwas zu spüren. Dahingegen tritt die 10er Beta-Version bereits ordentlich aufs Gas und wirkt um einiges "runder" als ihre Vorgänger-Version. Könnte durch Opera Unite (einem Art Webspace und Filesharing-Feature) durchaus noch sehr interessant für den Universitäts-Alltag werden.
- Safari 3.x/4.x for Windows
Schlichte Eleganz, manchmal schneller als Firefox und im Endeffekt dasselbe wie der Mozilla-Browser, nur in "Grauer". Allerdings stellte er meinen Einstieg in die Apple-Welt dar, also werde ich nicht weiter über ihn herziehen. Auf ULPCs ist er nur bedingt zu empfehlen, da er für meinen Geschmack mit Flash-Werbung zu gefühlt längeren Ladezeiten führen kann.
- Google Chrome
Imho der Primus unter den Browsern für einen ULPC! Nach kurzer Umgewöhnungsphase (Position der Menüs, Konfigurierbarkeit geringer als bei FF, Opera oder Safari) wird man von praktischen Features, wie schnellere Such-Anfragen direkt über die URL-Leiste - sowohl in Wikipedia, als auch in Google, und einer überragenden Geschwindigkeit verwöhnt. So und nicht anders muss ein Browser auf einem ULPC arbeiten. Einziges Problem: Aufgrund seiner Marktposition hat er manchmal mit Webseiten, die restriktive auf einen Browser setzen, Probleme, auch wenn man ihn theoretisch über den Developer-Modus als Firefox und andere tarnen kann.

Somit komme ich zum letzten Punkt meines Erfahrungsberichts: Der Multimediatauglichkeit des EEE PCs.
Imo ist vom Einsatz des Windows Media Players auf einem ULPC abzuraten - zu ressourcenlastig und behäbig ist das Programm - da mussten kleinere und flexiblere Lösungen her. Als ganz gut erwiesen sich der Altbekannte VLC-Mediaplayer als Videoplayer und der kleine und flotte Musikplayer foobar2000. Letzterer bietet dem User wahlweise schnörkellöse Musikwiedergabe ohne großen Menüschnickschnack, lässt sich aber wahlweise zu einer relativ ansehnlichen Musikdatenbank umwandeln. Zudem kann man foobar2000 auch ohne Registry-Eintrag installieren, was ihn portabel nutzbar macht.
iTunes wurde zwecks iPod zwar auch zeitweise eingesetzt, allerdings erwies sich das Programm als etwas zu behäbig für meinen Geschmack. Verwendbar ist es, begeistern kann es am 1000H nicht wirklich.

Mein Fazit nach etwas mehr als einem Semester Einsatz eines ULPCs lautet:
Für den Unialltag als Student der Geschichte und Germanistik ist das Gerät eine echte Erleichterung in mehrer Hinsicht. Zum einem eine tatsächlich physikalische, zum anderen bringt es ausreichend Leistung um tatsächlich als Notizblock und Arbeitsgerät herzuhalten. Seinen Anschaffungszweck erfüllt der Kleine tatsächlich ausgezeichnet.

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Post von der „Front“ #1 09.10.2009